Heimarbeit: Diese 3 Dinge werden 2015 wichtig!

Im kommenden Jahr stehen einige Veränderungen an, die auch Nebenjobber und Heimarbeiter angehen. An erster Stelle steht die Einführung des neuen Mindestlohnes: Danach muss jeder Arbeitnehmer mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Um den Mindestlohn wurde jahrelang heftig gekämpft und gestritten. Für reguläre Vollzeitarbeiter ist der Mindestlohn - so wie er in den meisten anderen Ländern schon länger existiert - sicher eine gute Sache, denn er soll die heute oft ausbeuterischen mickrigen Löhne verhindern, die in vielen Branchen üblich sind. Dass niemand von einem Stundenlohn von 5,50 Euro leben kann, liegt schließlich auf der Hand.


Schreibtisch

Für Nebenjobber kann der Mindestlohn jedoch zur bösen Falle werden, wenn der Stundenlohn derzeit unter 8,50 Euro liegt. Dies gilt vor allem für diejenigen, die die derzeitige Höchstgrenze von 450 Euro erreichen, aber weniger als 8,50 Euro verdienen. Wer zum Beispiel jede Woche an drei Tagen einen Nebenjob ausübt, in dem 8,00 Euro pro Stunde gezahlt werden und so 450 Euro im Monat zusammen kommen, wird ab 1.01.2015 über die Minijob-Grenze schießen, wenn 8,50 Euro Mindestlohn gezahlt werden müssen. Der Arbeitgeber hat weit höhere Lohnnebenkosten und der Arbeitnehmer weit höhere Angaben. Die sinnvollste Lösung für beide Seiten wäre es dann, die monatliche Arbeitszeit so zu reduzieren, dass der Lohn wieder bei exakt 450 Euro liegt. Ärgerlich freilich für die Arbeitgeber, die das gleiche zahlen müssen aber weniger Leistung erhalten. Übrigens kann sich niemand damit rausreden, er habe nichts gewusst: Sollten die Minijobzentrale oder das Finanzamt herausfinden, dass jemand auch nach dem Stichtag zu alten Konditionen beschäftigt und bezahlt wurden, können hohe Nachforderungen zu den Sozialversicherungsbeiträgen fällig werden.

Ausnahmen beim Mindestlohn

Mindestlohn

Zumindest in einigen Branchen gelten Übergangsfristen: So wird der Lohn für Zeitungszusteller bis 2017 auf den Mindestlohnt erhöht. Für Langzeitarbeitslose gilt, dass sie in den ersten sechs Monaten einer Anstellung nach mindestens 12 Monaten Arbeitslosigkeit, unterhalb des Mindestlohns beschäftigt werden können. So soll ihnen die Rückkehr ins Arbeitsleben erleichtert werden. Experten fürchten hier, dass sich die Arbeitgeber dies zunutze machen indem sie die Betroffenen mit befristeten Verträgen für sechs Monate einstellen und dann wieder entlassen, ehe sie höhere Löhne zahlen müssen.
Weitere Ausnahmen gelten für Auszubildende, deren Lohn weiterhin unter dem Mindestlohn liegen darf und für Praktikanten: Zumindest in den ersten drei Monaten darf das Gehalt unter dem Mindestlohn liegen. Wer länger beim gleichen Arbeitgeber ein Dauerpraktikum macht, muss dann jedoch den Mindestlohn erhalten und kann nicht länger als billige Arbeitskraft ausgebeutet werden.

Azubis mit Nebenjob

Interessant wird es für Auszubildende, die einen Nebenjob erledigen, weil sie vom mageren Azubigehalt nicht leben können: Azubis, die mindestens 18 Jahre alt sind, erhalten für die Ausbildung auch nach 2015 weiterhin keinen Mindestlohnt. Für den Nebenjob gilt jedoch auch für sie die Mindestlohn-Regelung von 8,50 Euro. In die Röhre schauen hingegen Azubis unter 18 Jahren: Wer noch nicht volljährig ist, hat prinzipiell keinen Anspruch auf den Mindestlohn.

Bestandsschutz für alte Minijobber läuft 2015 aus

Für Minijobber gibt es ab 2015 jedoch noch eine weitere Falle zu beachten: Als am 1.Januar 2013 die Verdienstgrenze für Minijobs von 400 auf 450 Euro angehoben wurde, bedeutete das für manche Nebenjobber, dass ihr bislang sozialversicherungspflichtiger Job mit einen Einkommen von (zum Beispiel) 430 Euro im Monat auf einmal von der Versicherungspflicht befreit war. Um Probleme zu vermeiden, gab es daher einen Bestandsschutz für existierende Beschäftigungsverhältnisse. Allerdings läuft dieser Bestandsschutz zum 1.Januar 2015 aus. Wer also weiterhin 430 Euro verdient, gilt nun als Minijobber und steht nicht mehr in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis.
Was für manche möglicherweise erfreulich ist, weil dann mehr Netto vom Brutto übrig bleibt, kann für andere zur Falle werden: Handelt es sich um die einige Tätigkeit, fällt bei diesen Personen dann u.a. der Krankenversicherungsschutz weg. Wer Glück hat, kann sich über den Partner krankenversichern und einfach die sozialversicherungsbefreiten Einkünfte genießen, doch wer auf den Versicherungsschutz angewiesen ist, muss sich nun selbst eine Krankenversicherung suchen. Dies bedeutet Kosten von rund 300 Euro im Monat - womit der größte Teil der Einkünfte von 430 Euro gefressen werden würde. Bei einem guten und vertrauensvollen Arbeitsverhältnis sollte es möglich sein, den Arbeitgeber um eine Lohnerhöhung auf 450,01 Euro zu bitten (evtl. auch für mehr Arbeitsstunden) um weiterhin sozialversicherungspflichtig zu bleiben.


Weitere Informationen dazu gibt es auf der Seite der Minijob-Zentrale.

Elterngeld Plus ab 1.Juli 2015

Elterngeld

Eine weitere Neuregelung tritt zur Jahresmitte in Kraft: Statt des regulären Elterngeldes kann dann "Elterngeld Plus" bezogen werden. Hintergrund ist der bisherige Haken beim Anspruch auf 14 Monate Elterngeld: Steigt zum Beispiel die Mutter bereits nach 10 Monaten wieder auf Teilzeit in einen Job ein, erlischt der Anspruch auf die restliche Zeit. Stattdessen soll es nun in Zukunft bis zu 24 Monate lang eine Kombi aus Teilzeiteinkommen und Elterngeld Plus geben. Dadurch können Frauen schneller wieder in den Job zurückkehren ohne auf die Vorteile des Elterngeldes verzichten zu müssen. Arbeiten beide Elternteile Teilzeit um sich die Kindererziehung zu teilen, gibt es sogar noch einen Partnerbonus darauf - und Elterngeld Plus für 28 Monate.

schreibt regelmäßig für UmfragenVergleich.