Die 10 wichtigsten Fragen zur Kreditwürdigkeit

Schulden

1. Was bedeutet Kreditwürdigkeit überhaupt?

Wer würde einem fremden Menschen ohne weiteres 100 Euro leihen? Die meisten würden zunächst in Erfahrung bringen wollen, ob dieser Mensch zuverlässig ist und geliehenes Geld tatsächlich irgendwann zurückgibt. Ob er eigentlich recht gut verdient und nur gerade in einer finanziellen Notlage steckt oder ob er seit Jahren immer wieder Schulden macht und scheinbar nicht mit Geld umgehen kann. Kurzum, man möchte wissen ob dieser Mensch kreditwürdig ist. Nichts anderes tun Banken und andere Finanzinstitute: Auch sie möchten wissen, ob ein Mensch, der bei ihnen ein Darlehen aufnehmen will, kreditwürdig ist und das geliehene Geld zurückzahlen wird.

2. Wer hat Interesse an einer Prüfung der Kreditwürdigkeit?

Zunächst einmal die Banken und andere Geldinstitute, die Geld in Form von Darlehen verleihen. Egal ob Verbraucherkredit in Höhe von 1.500€ zur Erfüllung von Konsumwünschen oder ein Darlehen in Höhe von 50.000€ zur Gründung einer eigenen Firma: Die Bank möchte sicher sein, dass sie ihr Geld irgendwann wieder sieht. Aber auch Mobilfunkanbieter prüfen bei Vertragsabschluss immer häufiger die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden und auch Vermieter lassen sich heute meist die Kreditwürdigkeit (in Form von Einkommensbescheinigungen und Schufa-Prüfungen) bestätigen, ehe sie eine Wohnung vermieten.

3. Wann gilt jemand als kreditwürdig?

Kreditwürdigkeit wird auch Bonität genannt und die Prüfung der Kreditwürdigkeit ist die Bonitätsprüfung. In diese fließen mehrere Aspekte ein: Ganz wichtig ist beispielsweise ein regelmäßiges Einkommen, denn wer kein Einkommen erzielt, wird kaum die Möglichkeit haben, geliehenes Geld zurück zu zahlen. Ein unkündbarer Beamter mit Job auf Lebenszeit hat daher eine entsprechend höhere Bonität als ein Gelegenheitsjobber, der sich von Aushilfstätigkeit zu Aushilfstätigkeit hangelt. Aber auch das Vorhandensein von Sicherheiten (z.B. eine eigene Immobilie), das Ausgabenverhalten und der bisherige Umgang mit früheren Krediten spielen eine Rolle.

4. Wie verläuft die Bonitätsprüfung?

Zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit werden sogenannte "Scores" erstellt, d.h. bestimmte Faktoren, die alle in die Bonitätsprüfung einfließen. Zu den wichtigsten Scores gehören für Privatpersonen:

• Einkommenssituation (Höhe des Gehaltes, Jobsicherheit, andere Einnahmequellen, z.B. aus Vermietung).
• Vermögenssituation (Sparguthaben, Aktien und andere Wertpapiere, Immobilien)
• Schuldensituation (vorhandene Kredite, etwaige andere Schulden)
• Ausgabensituation (feste Ausgaben wie die monatliche Miete, Unterhaltszahlungen an Ex-Frauen und Kinder, etc.)
• Schufa-Rating zum bisherigen Kreditverhalten
Von Fall zu Fall können die einzelnen Kategorien mal mehr und mal weniger Gewicht haben. Am Ende steht ein Scoring oder Rating auf einer Skala von "Absolut kreditwürdig" bis "Auf gar keinen Fall Geld an diese Person verliehen".

5. Wer oder was ist die Schufa?

Wenn es um die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen geht, führt kein Weg an der Schufa vorbei, deren Macht umstritten ist. Die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" ist eine privatwirtschaftlich organisierte Aktiengesellschaft, die die Daten von aktuell ca. 66 Millionen Deutschen aus verschiedenen Quellen (Banken, Handel, Mobilfunkanbieter, etc.) zusammenträgt und speichert. So kann sie sehen, wer seine Kredite regelmäßig zurückzahlt und wer immer wieder in Zahlungsverzug kommt oder gar Zahlungsausfälle verzeichnet. Wer beispielsweise seit 10 Jahren eine Kreditkarte nutzt, deren monatliche Abrechnungen stets bezahlt werden und nur einmal einen Kredit für ein neues Auto aufgenommen hat, der pünktlich abbezahlt wurde, steht bei einer Schufaauskunft gut da. Wer sich mit seiner Kreditkarte jedoch immer wieder verschuldet, Verbraucherkredite aufnimmt und nicht abbezahlt und Rechnungen erst nach der dritten Mahnung erledigt, steht bei der Schufa entsprechend schlecht da.

6. Warum ist die Macht der Schufa umstritten?

Die Schufa muss nicht offenlegen, wie sie die Kreditwürdigkeit konkret ermittelt. Es ist daher für Verbraucher nicht möglich zu wissen, wie sich ihre eigene Kreditwürdigkeit zusammensetzt. Bis 2001 wurde sogar der Wunsch nach Eigenauskunft als negativ bewertet. Nach massiven Protesten musste die Schufa dies ändern. Auch ist der Datenschutz nicht immer gegeben. Wer z.B. über seine Arbeit die Chance hat, Daten anderer Personen einzusehen, kann dies problemlos tun. Dazu wird die Schufa immer häufiger als Druckmittel gebraucht. Und nicht zuletzt kommt es immer wieder zu Problemen, zum Beispiel durch eine Namensverwechslung, wenn jemand mit dem gleichen Namen eine ausgesprochen schlechte Zahlungsmoral an den Tag legt.

7. Wie kann ich erfahren, was die Schufa über mich weiß?

Jeder Deutsche ist nach §34 Abs.4 des Bundesdatenschutzgesetzes berechtigt, einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft bei der Schufa zu beantragen. Das Angebot wird jährlich von etwa 1,9 Mio. Menschen genutzt. Es lohnt sich besonders um zu überprüfen, ob beispielsweise ältere erledigte Verbindlichkeiten ordnungsgemäß gelöscht wurden. Fehlerhafte Daten, zum Beispiel bei einer Namensverwechslung, müssen von der Schufa auf Verlangen geändert werden. Der Antrag erfolgt über das Portal www. meineschufa. de

8. Welche Auskünfte zur Kreditwürdigkeit gibt es noch?

Trotz aller Macht ist die Schufa nicht die einzige Auskunftsquelle zur Kreditwürdigkeit. Auskunft zum Zahlungsverhalten kann beispielsweise auch ein Vermieter erteilen: Wer seit 15 Jahren jeden Monat pünktlich die vollständige Miete überweist, gilt natürlich als zuverlässiger als derjenige, der öfter mal mit der Miete in Verzug gerät oder sie eigenhändig aus fadenscheinigen Gründen kürzt.

9. Wie empfehlenswert sind Kredite "ohne Schufa"?

Vor allem im Internet wird immer wieder mit Krediten "ohne Schufa-Auskunft" geworben. Wer einen solchen Kredit aufnimmt, könnte auch gleich zum örtlichen Kredithai im Rotlichtviertel gehen: Die Zinsen sind meist extrem hoch und die Verleiher sind beim Eintreiben der Schulden nicht zimperlich. Im schlimmsten Fall kassieren sie einfach nur eine Vorabgebühr und sind dann verschwunden, ohne dass es überhaupt Geld gibt. Also Finger weg!

10. Was kann ich tun um meine Kreditwürdigkeit zu verbessern?

Zunächst einmal sollte der eigene Schufa-Eintrag auf seine Korrektheit überprüft werden. Oft ist die eigene Bonität aufgrund eines falschen Eintrags weit schlechter als sie sein sollte. Zum Beispiel wenn eine offene Mahnung eingetragen ist, obwohl diese unberechtigt war und ihr auch erfolgreich widersprochen wurde.

Schlecht für die Bonität sind die Aufnahme verschiedener Verbraucherkredite und/oder die Benutzung mehrerer Kreditkarten. Daher am besten nur eine Kreditkarte nutzen und nur einen Kredit bedienen. Überhaupt sollten Kredite nur aufgenommen werden, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel beim Kauf eines Autos für 25.000€. Die Banken locken gerne mit günstigen Verbraucherkrediten in Höhe von 1.500 - 2.000€ "zur Erfüllung der Konsumwünsche" wie dem neuen Fernseher oder der Kreuzfahrt. Dadurch geraten viele erst in die Bonitätsfalle. Lieber ein Jahr sparen und die Kreuzfahrt dann vom gesparten Geld zahlen.

schreibt für UmfragenVergleich. Ihr könnt sie über Twitter oder Facebook erreichen.